
Die Barrierefreiheit von Websites ist längst keine freiwillige Option mehr, sondern eine rechtliche Verpflichtung für viele Unternehmen. Seit dem Inkrafttreten des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) müssen zahlreiche Betreiber ihre digitalen Angebote so gestalten, dass sie für alle Menschen zugänglich sind – unabhängig von individuellen Einschränkungen. Doch wie lässt sich die Website Barrierefreiheit prüfen, und welche konkreten Schritte sind erforderlich?
Barrierefreie Websites ermöglichen es Menschen mit Sehbehinderungen, motorischen Einschränkungen oder kognitiven Beeinträchtigungen, digitale Inhalte ohne Hindernisse zu nutzen. Dies betrifft etwa 10-15% der Bevölkerung direkt – eine erhebliche Nutzergruppe, die ohne entsprechende Maßnahmen ausgeschlossen würde.
Neben der gesellschaftlichen Verantwortung sprechen auch rechtliche Gründe für eine gründliche Prüfung. Das BFSG setzt klare Anforderungen, deren Nichteinhaltung zu Abmahnungen und erheblichen Bußgeldern führen kann. Unternehmen, die ab Juni 2025 unter die Regelungen fallen, sollten daher bereits jetzt aktiv werden.
Bevor Sie die Website Barrierefreiheit prüfen, sollten Sie die relevanten Standards kennen. Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) bilden die internationale Grundlage und definieren drei Konformitätsstufen:
Für die meisten Unternehmen ist die Konformität mit Level AA das anzustrebende Ziel. Diese Stufe stellt sicher, dass Ihre Website für die überwiegende Mehrheit der Menschen mit Behinderungen nutzbar ist.
Die Basis jeder barrierefreien Website ist eine saubere HTML-Struktur. Screenreader und andere Hilfstechnologien verlassen sich auf korrekte HTML-Tags, um Inhalte zu interpretieren. Prüfen Sie, ob Ihre Website folgende Elemente korrekt verwendet:
Jedes informative Bild auf Ihrer Website benötigt einen aussagekräftigen Alt-Text. Beim Prüfen der Barrierefreiheit sollten Sie sicherstellen, dass alle Bilder entweder einen beschreibenden Alt-Text haben oder als dekorativ gekennzeichnet sind (leeres alt-Attribut). Komplexe Grafiken und Diagramme benötigen zusätzlich ausführliche Beschreibungen.
Ausreichende Farbkontraste sind entscheidend für Menschen mit Sehbehinderungen. Die WCAG 2.1 Level AA fordert ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1 für normalen Text und 3:1 für großen Text (ab 18pt oder 14pt fett). Zusätzlich dürfen Informationen niemals ausschließlich durch Farbe vermittelt werden.
Automatisierte Tools können einen großen Teil der technischen Barrieren identifizieren. Zu den bewährten Lösungen gehören:
Diese Tools decken typischerweise 30-40% aller Barrierefreiheitsprobleme auf. Sie bilden eine wichtige Grundlage, ersetzen aber nicht die manuelle Prüfung.
Für eine umfassende Bewertung im Kontext des BFSG empfiehlt sich der Einsatz spezialisierter Services. Ein professioneller BFSG Check analysiert Ihre Website gezielt auf die gesetzlich geforderten Kriterien und liefert konkrete Handlungsempfehlungen.
Automatisierte Tools haben ihre Grenzen. Viele Aspekte der Barrierefreiheit lassen sich nur durch manuelle Tests bewerten:
Testen Sie, ob Ihre gesamte Website ausschließlich mit der Tastatur bedienbar ist. Nutzen Sie dazu die Tab-Taste zur Navigation und prüfen Sie:
Die Prüfung mit echten Screenreadern gibt Aufschluss darüber, wie Menschen mit Sehbehinderungen Ihre Website erleben. Kostenlose Optionen sind NVDA (Windows) oder VoiceOver (Mac). Achten Sie dabei auf:
Prüfen Sie, ob Ihre Inhalte auch für Menschen mit kognitiven Einschränkungen verständlich sind. Verwenden Sie klare Sprache, kurze Sätze und vermeiden Sie unnötige Fachbegriffe. Komplexe Prozesse sollten in einfache Schritte unterteilt werden.
Bei der Prüfung der Website Barrierefreiheit stoßen Sie typischerweise auf folgende Probleme:
Die Prüfung der Barrierefreiheit ist nur der erste Schritt. Die identifizierten Probleme müssen systematisch behoben werden. Erstellen Sie eine priorisierte Liste basierend auf:
Berücksichtigen Sie dabei die spezifischen Anforderungen, die für Ihr Unternehmen gelten, und planen Sie ausreichend Zeit für Tests und Nachbesserungen ein.
Barrierefreiheit ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Neue Inhalte, Updates und Funktionen können jederzeit neue Barrieren schaffen. Etablieren Sie daher:
Die Prüfung der Website Barrierefreiheit mag zunächst nach zusätzlichem Aufwand klingen, bietet jedoch erhebliche Vorteile. Barrierefreie Websites erreichen eine größere Zielgruppe, bieten bessere Nutzererfahrungen für alle Besucher und sind häufig auch technisch hochwertiger strukturiert. Mit den richtigen Tools, einer systematischen Vorgehensweise und dem Verständnis für die zugrundeliegenden Prinzipien können Sie Ihre Website BFSG-konform gestalten und rechtliche Risiken minimieren. Beginnen Sie noch heute mit einer ersten Analyse – die Investition zahlt sich in mehrfacher Hinsicht aus.